Gestern Abend stand ich in der Küche meiner Freundin. Wir sahen ihrer Mutter beim Brotschneiden zu (Seltsam? Sei's drum. Sowas tun wir gelegentlich. Küchen sind nun einmal ein guter Ort für viele Dinge, auch fürs platzsparend Herumstehen...). Es gab ein kurzes Hinundher über das geeignete Messer.
Wie konnte es bei dieser Gelegenheit anders sein: Mir kam eine Ethikstunde in den Sinn, die ich vergangene Woche absolviert (also abgehalten) hatte: Da ging es auch um Brotbesser. Naja, eigentlich ging es um Platon. Aber eben doch wiederum auch um Brotmesser. Wie nämlich könnte man besser erklären, was der Unterschied zwischem dem relativ Guten und dem absolut Guten in der Philosophie des Obengenannten ist, als anhand eines Brotmessers?
Es ist nämlich so, dass ein Messer stets relativ gut ist, relativ gut geeignet für zum Beispiel das Schneiden eines Brotes: Wenn es schiefe Scheiben erzeugt (und der Schneidende daran nicht Schuld ist), ist es relativ nicht so gut, immerhin könnte es aber doch scharf genug sein, dann wäre es vergleichsweise immer noch relativ besser fürs Brotschneiden geeignet, als jenes, welches unscharf ist und deshalb gar keine Scheiben erzeugt. Soweitsogut...
Absolut gut aber kann ein Brotmesser nie sein - sagt Platon. Das absolut Gute existiert nämlich nicht in der Welt der Dinge (und Menschen und Tiere und allem, was wir sehen oder eigentlich begreifen können). Das absolute Gute gibt es nur in der Welt der Ideen, denn das Absolute ist stets und kann nur eine Idee sein und bleiben.
Wozu nun diese Ethikunterweisung an dieser Stelle?
Weil man in einer Küche mit schwarz-weißem Boden und glänzend grünen Kacheln schlicht zu interessanten Erkenntnissen kommen MUSS! (...in Küchen im Allgemeinen, in dieser Küche im Besonderen...)
Die Erkenntnis, die wir an diesem Abend hatten - oder besser besagte Freundin - sie fasste es jedenfalls in Worte - war, dass die Philosophen uns an Klugheit, ja Weisheit voraus haben, dass sie die Schwierigkeiten, die die Welt und die Erkenntnis der Welt mit sich bringen, nicht nur erkennen, sondern dass sie Erklärungen und Lösungen in Worte zu fassen verstehen, und zwar auf den Punkt.
Uns hingegen, die wir uns für nicht allzu dumm oder ungebildet halten, gelingt das selten oder nie.
Dazu kommt die Beobachtung, dass Leute, die gar nicht denken (wollen oder können), das einfachere Leben führen.
Ich fass(t)e zusammen:
Wir, die wir halbwegs intelligent sind (immerhin haben wir ja alle einen Universitätsabschluss und teilweise sogar einen akademischen Titel... das sollte ausreichen zur Beweisführung.... oder? Hm...), wir haben es am schwersten:
Wir nämlich sind intelligent genug, die Probleme zu sehen, aber nicht intelligent genug, sie auch zu lösen. ZU DUMM!
Im nächsten Leben also Philosoph oder Dummy.
Und DAS...ist Lilly - in besagter Philosophen-Küche:
Sie ist - vermutlich - weder ... noch, oder sowohl ... als auch. Brotmesser interessieren sie allerdings vermutlich weniger, denn solche sind ja relativ nicht so gut geeignet, Wurst zu schneiden...
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