Donnerstag, 12. September 2013

a very lonely place

ich denke, ein guter lehrer ist ein mensch zwischen den welten: er gehört nirgendwo ganz hin, denn er vermittelt: zwischen der erwachsenenwelt und der kinderwelt. zwischen wissen und unkenntnis, desinteresse und begeisterung. er gehört nirgends ganz hin, denn wenn er sich für eine der welten entscheidet, verliert er die möglichkeit, auf beide welten zuzugreifen.

ich bin gerne lehrer...
?
nein, ich BIN nicht gerne lehrer.

ich AREITE gerne als lehrer.
ich bin gut darin.
ich tue mich leicht.
ich kann schüler verhexen.
ich bin ein rattenfänger.

der einzige ort, an dem ich mich wiirlich richtig und wirklich sicher fühle, ist vor einer schulklasse.
aber das ist ein einsamer ort.
es kann immer nur eine person auf einmal dort sein.
es funktioniert nicht mehr auf dieselbe art, wenn da zwei stehen. (was nicht heißt, dass ich das ablehene oder ungern tue, es ist nur einfach nicht dasselbe, auch nicht dasselbe gefühl.)

neue schule.
neues sozialgefüge.
ich genieße es, dass es so viele sind, die da sind und neu sind.
ich gehe nahezu unter. dachte ich gestern.
heute schon wieder drei refs an meinem schürzenbändel?...

und obwohl mir vieles gut organisiert erscheint... es ist wie überall. leute reden zu gern zu lang, andere stellen unnötige fragen. und das alles ginge, wenn lehrer nicht überall lehrer wären. stur, engstirning, mit sich selbst beschäftigt, unreflektiert, kurzsichtig, eingleisig, unselbständig, schlicht dumm.

und ich?
ich bin doch auch lehrer.
ich kann ja schön und gut dauernd behaupten, ich sei anders. aber bin ich nicht auch mit mir beschäftigt, wenn ich eine veranstaltung langweilig und überflüssig finde, wenn es mir zu langsam geht, zu lange dauert, ich nach hause will?
warum trifft mich wirklich nichts so sehr, wie wenn jemand sagt: "ach, da kommt wieder die lehrerin raus?" - in privaten situationen, wie es der bruder einer guten freundin tat - ganz sicher nicht, um nich zu verletzen? und ich stehe da und würde am liebsten weinen. ich WILL keine lehrerin SEIN. ich mag lehrer nicht besonders. zugleich liebe ich meinen beruf. ich bin gut darin. und ich mag es, dass ich gut darin bin. ich finde es auch einen wichtigen beruf. zugleich verabscheue ich ihn - beziehungsweise ein allzu große zahl an menschen, die ihn ausüben. bin ich verrückt?

ich kenne sehr gute und respektable und liebenswerte menschen, die lehrer sind.

trotzdem: ich BIN nicht gerne lehrer.
so gerne ich vor einer schulklasse stehe, es ist ein einsamer ort.

und ich möchte nicht einsam sein. 
und nicht so gespalten.
ich möchte nicht, dass der einzig richtige ort für mich der einsamste ist. und wenn ich den verlasse, gehöre ich nirgendwo mehr hin.
ich möchte irgendwo hingehören. wenigstens manchmal.

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