Mittwoch, 10. August 2011

balance, part II: serenity, is it?

jemand hat  - sehr klug - zweifel gesäht.

ist es tatsächlich die balance der gelassenheit, die wunsch sein kann?
was passiert dann mit einem, wenn man das erreicht hat?
was ist eigentlich der unterschied zwischen gelassenheit und gleichgültigkeit?

tja, das saß ich und dachte, ich hätte eine antwort.
dachte ich.

im englischen gibt es für beide begriffe eine menge worte.
gelassenheit ist
serenity
calmness
composure
placidness
aber auch
sedateness (was außerdem leidenschaftslosigkeit bedeutet)

gleichgültigkeit ist
callousness
insensibility
indifference
languidness

alles scheint also klar zu sein: gelassenheit ist, wenn man drüber steht, gleichgültigkeit, wenn es einem egal ist. gut, oder?
so, und worin besteht jetzt da der unterschied? in beiden fällen  ist doch die distanz zum geschehen recht groß, im einen fall hat man gefühle, die man irgendwie ignoriert, im anderen hat man die gefühle erst gar nicht. nach außen sieht das ziemlich ähnlich aus. und zudem besteht die akkute gefahr, um nicht zu sagen die fast zwingende konsequenz, dass das eine zum anderen führt/wird.

mir fällt der dalai lama ein, dem man sicher gelassenheit zusprechen möchte, sicher nicht gleichgültigkeit. aber stimmt das so? könnte es nicht sein, dass er entweder mit seinem verstand die gelassenheit daran hindert, sich in gleichgültigkeit zu zeigen, oder dazu, das interesse wengistens verstandesmäßig zu behalten, wenn die emotion nicht mehr da ist? wer weiß das? von außen ist das nicht zu unterscheiden.

will ich so wirklich fühlen?
eher nein. eigentlich mag ich doch meine gefühle, meine manchmal extremen reaktionen. mein beteiligtsein.
warum also wünsche ich mir doch immer wieder gelassenheit - im sinne von serenity: abgeklärtheit, gemütsruhe?

weil extreme gefühle so wahnsinnig anstregend sind. und manchmal geht mir einfach die kraft dafür aus. deshalb. aber ist das nicht so ähnlich, wie so erschöpft zu sein, dass man an ort und stelle augenblicklich einschlafen möchte und der schönste ort auf der welt das bett zu sein scheint?
aber will man dann wirklich nicht mehr aufwachen?

ich bin aber doch ganz gerne wach! also:
goodbye serenity. hello discomposure.












oh sorry, i didn't mean you! ;-)

3 Kommentare:

  1. Hm, wieder so eine Sache des goldenen Mittelwegs. Wenn Lenny hinfällt und sich die Nase aufschlägt, kann ich gelassen reagieren - ihn trösten, einen Waschlappen holen und ihm das Blut aus dem Gesicht wischen - oder gleichgültig - einen Waschlappen holen, und ihm das Blut aus dem Gesicht wischen. (Neben der Möglichkeit, hysterisch zu reagieren - den Arzt rufen und alle gefährlichen Stufen und Schwellen aus der Wohnung entfernen ;)) Ein sehr feiner Unterschied vielleicht, aber doch ein entscheidender. Ich glaube auch nicht, dass meine Gelassenheit rein vom Verstand erzwungen ist. Sie kommt eher erfahrungsbedingt - ich weiß, dass er nicht dran stirbt, und auch wenn ich es kaum ertragen kann, Tränen in den Augen meines Kindes zu sehen (=Gegenteil von gleichgültig, und ich glaube auch nicht, dass ich dagegen jemals wesentlich abstumpfen werde), verleiht mir die Gewissheit, dass ihm mein Trost hilft, doch zu wie ich meine echter emotionaler Gelassenheit. Interessanterweise deckt sich das ein bisschen mit der Beschreibung resilienter Leute im vorigen Post. Die Erfahrung, dass man eine gewisse Kontrolle über manche Dinge hat. Wobei ich diesen Teil als häufig viel zu kontrollierter Mensch auch wieder kritisch finde, aber das ist ein Thema für einen anderen Kommentar...

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  2. "Ja und warum?" war vor kurzem die relativ plumpe Frage zu meiner Religiosität, welche mehrstündige Diskussionen zur Folge hatte.
    Dabei tauchte dann auch die Gelassenheit im Zusammenhang mit Vertrauen auf und das ging ungefähr so:
    Wenn ich all mein Tun selbst zu verantworten hätte, würde ich völlig Handlungsunfähig werden und ständig über eventuelle Konsequenzen (die nicht direkt oder überhaupt nicht absehbar sind) nachdenken müssen.

    Meine Fähigkeit zu glauben gibt mir die Möglichkeit, Handlungen, welche ich in bestem Wissen und Gewissen ausführe, im Vertrauen ("auf göttliches") als positiv zu empfinden, was mir anderenfalls nicht möglich wäre.

    Religiosität soll an dieser Stelle keinesfalls als Legitimation zur Faulheit verstanden werden, sondern als "Eingeständnis" der eigenen "Beschränktheit" und der Möglichkeit mit dieser halbwegs positiv umzugehen.

    Vielleicht birgt ein solches ruhiges, unbeängstigtes, vertrauendes und gelassenes Handeln mehr "Energie" zur "tatsächlichen" "Lösung" von "Problemen" als das aufgeregte, hektische und ängstliche.

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  3. beinahe zwei wochen lang habe ich darüber nachgedacht, was ich hierzu denke, nciht etwas, weil mir die egdanken so fremd sind,sondern weil ich meine persönliche antwort erst einmal in (halbwegs) klare formen bringen musste/wollte. das vorläufige ergebnis ist nachzulesen unter: "whose blessing allows action" vom 7.9.2011

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