Mittwoch, 23. September 2015

being polite - always! ... ?

Ich denke, die kleinen Gesten des Alltags sind wichtig in einer Beziehung oder engen Freundschaft. Sie sollten nicht vernachlässigt werden. (Beide Beziehungsformen laufen zuweilen Gefahr, der Vernachlässigung  jeglicher Umgangsformen die Tür zu öffnen.) 
Aber die Forderung nach solchen Gesten sollte den Kern nicht in den Hintergrund geraten lassen. Ich finde, gerade in einer Beziehung und unter Freunden sollten kleine Schnitzer und Pannen ausgeglichen sein durch das Vertrauen darauf, dass einem der andere zugeneigt ist. 
Eine Begrüßung in bestimmter Form vergessen, kleine Unaufmerksamkeit, schlechte Laune oder ein entflohener Furz? Sind solche Dinge wirklich so wichtig wie Zuneigung  und Vertrauen? Sie sollten es nicht sein. 

Natürlich soll man danach fragen dürfen, wenn es einem wichtig ist. Aber warum muss eine Situation entgleisen, nur weil solch ein Fehler gemacht wurde? Oder die Gewohnheiten verschieden sind? 
Unter Fremden zählen rituelle Gesten mehr, denn sie müssen Vertrautheit ersetzen. Aber unter Vertrauten? 
Warum nicht darüber hinweg gehen, das eigene Verhalten, das man für richtig hält, aufrecht erhalten, und dem anderen solches nachsehen? Man weiß doch, er meint es nicht bös? Die Energie, die man verbraucht, dem andren sein Verhalten vorzuhalten (laut) oder vorzuwerfen (heimlich) fände so viel positivere und harmonischere Verwendung darin, dem anderen Achtsamkeit und Achtung entgegen zu bringen. 
Eine (vermeintliche) Respektlosigkeit ließe sich beantworten mit der inneren oder äußeren Frage nach dem Warum. Warum war der andere gerade achtlos? Warum hat er nicht gegrüßt oder einen lauten Rülpser losgelassen trotz "Publikum"?
Man könnte die Energie auch darauf verwenden, manches einfach hinzunehmen, ohne es übel zu nehmen. Weil der Mensch, den man schätzt, nun einmal ist, wer und was er ist. 

Dem anderen kleine Schnitzer vorzuhalten und die Einhaltung gewisser Regeln zur absoluten Selbstverständlichkeit zu erklären, zerstört - aus meiner Sicht - die Möglichkeit, im vertrauten Umfeld auch mal loszulassen, sich selbst ernst und wichtig zu nehmen und ab und zu dem anderen voran zu stellen in Bedürfnissen des Augenblicks. Ohne - und das ist das Wichtige - mit negativen Reaktionen, Vorwürfen oder gar Repressalien rechnen zu müssen. 

Regeln und Umgangsformen sind wichtig, auch (und vielleicht gerade?) in Beziehungen und engen Freundschaften. Aber dürfen sie an allererster Stelle stehen? 

Ich beantworte diese Frage für mich mit "nein". Für mich sollte das Gefühl, dass man sicher ist bei und mit jemandem, auch wenn der Socken ein Loch hat und müffelt und wenn die Alltagsrituale mal unter den Tisch fallen - dieses Gefühl sollte gehegt und gepflegt werden, stets und immer wieder. 

Das heißt keineswegs, dass man nicht sagen darf, die Einhaltung welcher Regeln und Umgangsformen einem wichtig ist bzw. wäre... Doch für mich gehört Nachsicht zur Zuneigung. Ohne Nachsicht keine Sicherheit im Umgang miteinander. Denn Fehler macht jeder und hat jeder. Sie sollten nicht so schwer wiegen.

Nachtrag: Selbst wenn man eine Umgangsregel und deren Einhaltung für selbstverständlich und unabdingbar hält, und man sein Recht darauf, das dem anderen zu sagen, wahrnimmt, sollte man den Respekt vor dem anderen nicht vergessen. Herablassung ist kein Zeichen von Respekt, sie ist kränkend und demütigend. Und wird ihren Zweck verfehlen. 

1 Kommentar:

  1. Laut Kaugummi kauen ist bei aller Achtsamkeit und Achtung trotzdem ein NO GO! ;) Pf

    AntwortenLöschen