es mag ja stimmen, dass der mensch als solcher zur gedankenlosigkeit neigt.
es mag auch sein, dass es realistisch ist, dass man seine umwelt eins ums andere mal daran erinnern muss, dass man gewisse bedürfnisse hat.
ein beispiel sei: ich brauche nach der arbeit, wenn ich das haus betrete, ca. 15 minuten, um mich in ruhe zu sammeln, den arbeitstag erst einmal abzuschütteln und geistig auf normale "füße" zu kommen. ich bin dann froh, wenn ich nicht überfallen werde mit fragen, wünschen, forderungen, terminplanung und allem, was die mitbewohner so ausgebrütet haben...
ich bin allzu schlecht darin, solche bedürfnisse zu äußern, ich weiß. aber ich tue es schon, wenn es mir nötig erscheint, und dann bin ich sehr froh, wenn ich diese äußerung nicht eins ums andere mal wiederholen muss.
dieses ideal scheint nun aber genau ein solches: ein ideal. im sinne von idealismus. im sinne von: completely unrealistic!
ich finde das gedankenlos. aber das - so lerne ich - ist unangemessen. der mensch neige nun einmal dazu, bedürfnisse anderer zu vergessen. sie daran zu erinnern, was ich brauche, ist meine angelegenheit und ich habe mich nicht darüber zu wundern oder gar zu ärgern, wenn ich es tun muss. denn die idee, dass man etwas ein, zweimal sagt, und dann merkt es sich einer, das ist offenbar eine zumutung. aha.
ich denke darüber seit einiger zeit sehr intensiv nach. ist es wirklich solch eine zumutung? fußen nicht die allermeisten philosophien (und religionen) darauf, dass man seine umgebung mit einer gewissen aufmerksamkeit bedenken möge? habe ich da etwas missverstanden? übertreibe ich? kommt meine verwunderung allein daher, dass ich persönlich es so schwierig finde, bedürfnisse zu äußern? liegt es allein daran, dass ich denke, dass es offenbar eine allzu hohe anforderung ist, wenn sie so konsequent nicht erfüllt wird? - also in diesem beispiel das mit den 15 minuten? und ich sie deshalb nur ungern wiederhole, weil es ja sein könnte, dass mein bedürfnis als solches zu anspruchsvoll ist?
ich bin noch zu keinem schluss gekommen, halte diverse möglichkeiten für denkbar. eins aber finde ich sicher: es ist wahnsinnig anstrengend, der gedankenlosigkeit der menschen mit achtsamkeit und geduld zu begegnen. denn manchmal ist unachtsamkeit schlicht kränkend, ärgerlich, sogar verletzend. und anspruchsvoll.
an dieser stelle setzen wohl dann buddhistische philosophie oder der stoizismus an: begegne der unachtsamkeit mit geduld ... oder so ähnlich. indem man den "zweiten pfeil" nicht abschießt. weder gegen sich selbst, noch gegen andere... ein heeres ziel.
p.s. ganz unphilosophisch - dafür metamedizinisch- möchte ich noch anfügen: wunden heilen, wenn man sie in ruhe lässt. abhärtung durch ständiges wiederaufreißen funktioniert nicht allzu gut... (bei allergien mag das anders sein... desensibilisierung und so...) das führt nämlich wahlweise zu einer dauerblutung oder - mit etwas glück - einer dicken narbe, die dann die bewegung einschränkt. das gilt auch für seelische wunden.
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