der fluch eines schlechten gewissens.
in erster linie spricht man davon ja, wenn es um einen selbst geht: wer hat schon gerne eine schlechtes gewissen? und wer hat es nicht - ziemlich oft? ich selbst war den größeren teil meines bisherigen lebens eine meisterin darin, ein schlechtes gewissen zu haben: wegen allem und gegenüber jedem. bis mir mal jemand gesagt hat: "mädl, das nervt! hört auf damit. du tust damit niemandem einen gefallen, im gegeneteil! du blastest diejenigen damit, wegen derer du ein schlechtes gewissen haben zu müssen glaubst." darüber habe ich sehr lange nachgedacht und i h habe es letztenendes für wahr empfunden. dann habe ich mich daran gemacht, mein schlechtes gewissen zu bekämpfen. nicht die fehler, die man macht, gegen die ist kaum etwas zu unternehmen, egal wie lange und gründlich man denkt, bevor man handelt. man macht nun mal fehler. nein, ich habe daran gearbeitet, nicht jedes mal - sicherheitshalber und möglichst, bevor mir berhaupt jemand einen vorwurf macht - ein schlechtes gewissen zu haben.
ich bin immer noch sehr selbstkritisch und vorsichtig, ich bemühe mich um achtsamkeit und rücksicht, um voraussicht und freundlichkeit. aber ich habe nicht mehr dauernd - in vorauseilendem "gehorsam" - ein schlechtes gewissen...
denn ich habe gelernt zu sehen, dass ein schlechtes gewissen nicht gleichbedeutend ist mit der einsicht, einen fehler gemacht zu haben. es ist etwas, das uns bestraft, bevor es andere tun. und das ist im zweifelsfalle feige. ich tu mir selber was, dann tut es nämlich kein anderer mehr, ich leide ja schon. das sehen die dann bestimmt und schonen mich... ja, das funktioniert oft, vor allem, wenn man es mit freundlichen und einfühlsamen menschen zu tun hat. aber genau diese leiden auch darunter: mein schlechtes gewissen verbietet ihnen nämlich, mir einen vorwurf zu machen, und sei er noch so berechtigt. sie werden dazu gebracht, sofern sie mir im grunde wohlgesonnen sind, sich selbst zurückzustellen, denn ich leide ja schon so unter mir selbst und dem, was ich tue/getan habe. das ist nicht fair.
außerdem gibt es ihnen das gefühl, mir ein schlechtes gewissen zu machen, wenn sie wegen mir auch einmal eine nicht so schöne erfahrung machen, einen grund haben, wütend oder verletzt zu sein. da ich ja schon selber so kritisch mit mir umgehe und ein schlechtes gewissen haben, dürfen sie das dann nicht mehr sein: kritisch oder gar verletzt. denn damit tun sie mir ja etwas... auch das ist nicht fair.
ich bin also zu dem schluss gekommen: ein gewissen zu haben ist eine gute sache: es befähigt zu selbstkritik, rücksicht, einsicht und lernen. ein schlechtes gewissen zu haben ist fast immer etwas schlechtes. für ALLE beteiligten, selbst solche, die in wirklichkeit gar nicht beteiligt sind - sie sind es nur, weil ich ihnen mein schlechtes gewissen aufbürde.
fazit: ich pflege mein gewissen, mein schlechtes gewissen bekämpfe ich mit allen mitteln - vor allem jenem des beimirselbst-bleibens. wenn ich so handle, wie es sich richtig für mich anfühlt, bewahrt mich das zwar keineswegs vor fehlern, aber ich kann mir dann immerhin sagen: so bist du. und dann entschuldige ich mich lieber geradeaus und ehrlich bei denen, die ich verletze. und gebe ihnen die gelegenheit, ihre gefühle mir gegenüber selbst zu wählen.
und genau das hätte ich auch gerne: fühlen dürfen, was ich fühle. punktum.
Klingt gut!
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