Samstag, 5. November 2011

plan a party, I'm supposed to...



eben habe ich erfahren, dass es unhöflich ist, seinen (eigenen!) geburtstag nicht zu feiern.

  

wenn man einen runden geburtstag, in diesem falle den 40., vor sich hat, bauen eine menge leute erwartungshaltungen auf:
 
I: man hat ungeheuer begeistert von dieser tatsache zu sein (bzw. man hat so zu tun, als stünde man drüber und fände es super, dass man - im gegensatz zum rest der welt - älterwerden unproblematisch, um nicht zu sagen erfreulich findet, obwohl sich der besagte rest der welt in zwei gruppen einteilen lässt: die, die erfolgreich sich und anderen gegenüber so tun, als sei's alles egal, und die, die mit unverholener häme über die "neuen im club" herfallen.).

II: man hat eine party zu geben (auf der man sich dann von einem gewissen anteil der gäste auf alle fälle sprüche anhören darf, die einer der beiden gruppenzugehörigkeiten - siehe oben - entspringen. und natürlich hat man diese dann lustig zu finden.)

wenn man sich nun beiden erwartungen entzieht, indem man erstens nicht so ganz drüber steht, dass man 40 wird, und zweitens keine lust hat, auch noch eine party zu geben, dann ist man also unhöflich.

problem:

I: ich stehe nicht drüber. ich finde, mein lebenszustand entspricht nicht dem, was ich mir - wenn überhaupt - je unter dem leben einer 40-jährigen vorgestellt habe. ich passe nicht mehr in den kreis meiner gleichaltrigen bekannten und habe ein problem damit, immer als außenseiter dazustehen und mir im zweifelsfalle genau dazu auch noch verletzende bemerkungen anhören zu dürfen (ja, das kommt vor, wenn auch nicht unbedingt von den mir nahestehendsten mitgliedern dieses bekanntenkreises...).

II: ich habe noch nie besonders gerne parties gegeben, auf denen ich mich selbst habe feiern lassen. leute in mein "haus" einzuladen, essen vorzubereiten, atmosphäre zu schaffen, so gut es geht, das macht mir spaß, aber nicht, um mich im mittelpunkt der veranstaltung zu sehen, sondern eher, weil ich einfach mal wieder eine bestimmte gruppe von menschen um mich haben möchte. (was heutzutage ohnehin kaum mehr zu schaffen ist, weil: siehe oben (lebenszustand)...).

III: ich sehe ja ein, dass besagte bekannte und freunde mich eventuell gerne feiern möchten. das ist nett. aber was geht mich das an, wenn ich darunter leide, gefeiert zu werden? ist es dann wirklich meine pflicht, mich feiern zu lassen, nur damit andere das bekommen, was sie gerne möchten (wenn es letztendlich dabei zu einer paradoxen situation kommt, nämlich der, dass man es befriedigend findet, jemanden zu feiern, der nicht gefeiert werden will - und zwar wirklich nicht: nein, man glaube es oder auch nicht: ich stehe nicht sonderlich gerne im mittelpunkt! ich mag aufmerksamkeit, aber nicht diese art...)? ist es wirklich so schlimm, diesen wunsch nicht erfüllt zu kriegen, jemanden feiern zu wollen, der nicht gefeiert werden will)?

IV: ich verstehe nicht wirklich, warum es meine pflicht ist, eine solche erwartungshaltung zu befriedigend. warum zeugt es von schlechten manieren,wenn ich mich nicht feiern lassen möchte? hängt es damit zusammen, dass es dazu gehört, die bedürfnisse anderer zu befriedigen, egal was es einen selbst kostet? ist es das?

ganz ehrlich: allein die erwartung, die ich zu fühlen glaube (und teilweise auch bestätigt bekomme) macht es mir sehr schwer, über diesen verdammten geburtstag nachzudenken - was nicht heißt, dass ich es nicht ununterbrochen tue: auf der suche nach einem ausweg.

V: früher war geburtstag wunschtag und bestimmttag. ich habe da immer alles so gewünscht, dass alle anderen es schön fanden, was ich dann auch schön fand. und es gab mein liebingsessen - sauerkrautauflauf - was meiner mutter beinahe zu primitiv war (die herstellung war zu unkompliziert). ich habe meinen geburtstag wirklich geliebt, weil ich da das gefühl hatte, beachtet zu werden und dass es ok ist, dinge so und nicht anders haben zu wollen und dass es einmal darauf ankam, was ich möchte, ohne dass damit irgendwie ein kritikwürdiger makel verbunden war, und dass es ok war, etwas anderes zu wollen, als die anderen. das war alles so selbstverständlich und so leicht. 


offensichtlich sind diese zeiten vorbei. heute habe ich die wünsche der anderen zu erfüllen an meinem geburtstag. und alles ist ganz kompliziert geworden.

3 Kommentare:

  1. It´s impolite to not celebrate your own birthday? Consider me an impolite - no! - a rude person! I haven´t done that for a very long time now, but to me, birthdays, especially my own- are (almost) meaningless. Of course it´s nice (yes, I chose this word on purpose) that people think about you on this day and call or whatever, but what is there to celebrate? I grew older? Indeed a magnificent deed! All right, i´m being sarcastic, again.
    I think i can understand you, for sure the fact that you don´t want to celebrate yourself. And the more people are involved, the more opinions (here´s another one!^^) and expectations you get and if you try to bow to all of them, well, you´ll break.
    But alas, cheer up, for there´s a silver lining on the horizon! (sorry, got carried away...)
    No, actually I think the case is quite a simple one: it´s the same as in your childhood, it´s your birthday, it´s your 'Wunsch- und Bestimmtag'. So do what you want to do! That´s all! Because doesn´t being polite also mean to respect someone´s feelings and decisions? And let me finish this with a (rethorical) question.
    Is it worse to not fullfill peoples´expectations or is it worse to drive someone into a situation he or she certainly doesn´t want to be in?

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  2. Ich fühle mich an eine Zeile aus 'Mad World' erinnert: Children waiting for the day they feel good, happy birthday, happy birthday...'. Vielleicht ist es mit der Aussage 'Ich feiere meinen Geburtstag nicht gern' ähnlich wie mit 'Ich bin gern Single' oder 'Ich mag meine Figur': Keiner glaubt einem so wirklich, wenn man das sagt. Es gibt einen definierten Idealzustand (100% zufrieden mit seinem Leben/in einer Beziehung/schlank), und den, so denken die meisten Leute, muss sich doch eigentlich jeder wünschen. D.h. wer etwas anderes sagt, der meint das eigentlich gar nicht so. Im Fall von Geburtstagen ist das vielleicht nur ein Zeichen übertriebener Bescheidenheit, und man tut demjenigen einen Gefallen, wenn man ihn zu seinem Glück zwingt. Da sind wir wieder bei der indirekten Kommunikation, der ewige Fluch.
    Hierzu kann ich nur empfehlen, was ich meinem Sohn gerade vorgelesen habe: http://www.mama-tipps.de/tipp/Schildkroete-hat-Geburtstag.html
    In diesem Sinne wünsche ich Dir Deinen persönlichen Salatkopf und - nehme Deinen Geburtstag trotzdem zum Anlass, mich zu freuen, dass Du da bist. :)
    P.S. Sorry, dass ich so lange nicht mehr hier vorbeigeschaut habe!

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  3. eigentlich ist es ja wirklich so, dass es "far worse" sein müsste, sich zu etwas drängen zu lassen, was man eigentlich nicht möchte. aber irgendwie scheint es in meinem falle doch "even worser" ;-) zu sein, dem drängen nicht anchzugeben, weil ich die garstigen bemerkungen und vorwürfe noch weniger vertrage. ich fürchte, bis zu einem gewissen grade ist das mein wesen - wenn's um mich geht, dann stehen die wünsche der anderen im zweifelsfalle oben auf der liste. ich bin wohl einfach kein guter kämpfer in eigener sache. - naja, was soll's. ich hab beschlossen, das beste draus zu machen... und meine engerien für kämpfe in anderer sache aufzusparen. that's me, i'm afraid. an i have to live with that - somehow. and try to be content. :-) thanks for commenting on the topic anyhow, you two!

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