Sonntag, 29. November 2009

devils and dust

what if what you do to survive
kills the things you love
fear's a powerful thing
it'll turn your heart black
it'll take you god filled soul
fill it with devils and dust
(bruce springsteen)

ich denke, wir laufen nicht durch die gegend und denken die ganze zeit darüber nach, ob wir angst haben. im gegenteil: wir glauben, wir hätten keine. und wenn wir uns doch bewusst sind, dass wir ängste haben, dann sind es die vor dem tod, oder davor, vom auto überfahren zu werden, den job zu verlieren, etc. (immerhin: auch schon eine stufe des bewusstseins, aber doch genau die ängste, die wir mit anderen teilen können, weil sie gewissermaßen "gesellschaftlich anerkannt" sind.)
aber in wirklich halten wir uns wohl meistens für angstfrei.

aber alles, was wir tun, und vor allem das, was wir NICHT tun, scheint von angst geprägt.

angst vor gefühlen.

angst davor, verletzt zu werden.
angst davor, nicht akzeptiert zu werden.
angst davor, nicht geliebt zu werden.

angst vor dem verlassenwerden.
angst vor der einsamkeit.

angst vor veränderung.

es ist einfach, diese dinge auszusprechen, sie zu ertragen, ist eine andere sache.

ängste tarnen sich ziemlich gut.
es ist gesellschaftlich akzeptiert, keine ernsten beziehungen einzugehen.
das heißt coolness und unabhängigkeit.
es ist gesellschaftlich anerkannt, bis zum erschöpfungszustand zu arbeiten.
das heißt dann fleiß und einsatz.
es ist gesellschaftlich anerkannt, jedes wochenende auf parties bis kurz vor die oder bis zur besinnungslosigkeit zu trinken.
das heißt dann spaßhaben.
es ist gesellschaftlich anerkannt, an beziehungen festzuhalten, die nicht funktionieren.
das heißt dann treue.
es ist gesellschaftlich anerkannt, sich aufzuopfern.
das heißt dann verantwortung.
es ist sogar gesellschaftlich anerkannt, andere auszunutzen und zu verletzen. (es kommt nur darauf, wie man es verkauft.)
das heißt dann zielstrebigkeit und ehrgeiz.

NICHT anerkannt ist es, gefühle zu haben, die andere nicht verstehen.
(es reicht übrigens schon, überhaupt welche zu zeigen, wenn die nicht allgemein verständlich sind.)
das heißt dann seltsam.
nicht erkannt ist es, aufzugeben.
das heißt dann versagen.
nicht anerkannt ist es, sich zur wehr zu setzen gegen die umstände.
das heißt dann aggressiv.
nicht anerkannt ist es, dinge anders zu machen.
das heißt dann verrückt.
nicht anerkannt ist es, angst zu haben.
das heißt dann feige.

ganz tief, ganz früh, bei manchen in der kindheit, bei anderen im jugendalter, liegen die ursachen. aber herumschlagen damit dürfen wir uns dann den rest des lebens. ob wir es wissen oder nicht.

nein, ich kann nicht einfach so verkehrt herum in einen kreisverkehr einfahren - auch nicht mitten in der nacht.
nein, ich kann nicht einfach so menschen hängen lassen, auch wenn sie mich hängen lassen.
nein, ich kann nicht einfach so das haben wollen, was ich haben will.

ich habe nämlich irgendwann gelernt, dass es nicht akzeptiert wird, wenn ich mir nehme, was ich will. ich habe verantwortung: für alle. nur nicht für mich.

ich bin klug genug zu wissen, dass das unsinn ist. ich WEIß das. aber ich FÜHLE es nicht.

aber irgendwo genauso tief da drin ist auch die sehnucht nach veränderung, sind die gefährlichen gefühle, ist die kraft, die angst zu bekämpfen - wenn schon nicht zu besiegen - ist der mut, es zu versuchen.

also werde ich weiter immer, wenn ich nach mitternacht nach hause fahren, versuchen, verkehrt herum in den kreisverkehr einzufahren, abschiede zu ertragen, mir zu nehmen, was ich haben will.

und ich werde mich dabei weiter schlecht füheln, zweifel haben.

und weiter gegen die teufel und den staub in meiner seele kämpfen.

because living is supposed to be more than surviving.

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