Mittwoch, 8. April 2015

patterns

wenn man krank ist...

es gibt meiner erfahrung nach zwei muster von reaktionen aufs eigene kranksein:
1 man will bedauert und gepflegt werden.
2 man will vor allem eines. seine ruhe. und möglichst wenig publikum.

ich finde nicht, dass man eines der beiden reaktionsmuster generell als besser oder schlechter bewerten kann. ich stelle aber fest, dass man sich blendend darüber in die haare kriegt!

muster 1 gilt als männlich (im sinne von "typisch mann", nicht von maskulin...). ist meiner ansicht nach quatsch.
muster 2 gilt als mütterlich. ist ebensolcher quatsch.
muster 1 gilt als kindlich... ich weiß nicht. ich glaub, das ist indivuell verschieden.
muster 2 gilt als erwachsen. mag sein. ist aber unfair muster 1 gegenüber.
 
fest steht:
muster 1 und muster 2 sind auf vielen ebenen absolut unkompatibel.
muster 1 ist beleidigt, wenn es muster 2 nicht pflegen darf.
muster 2 ist sehr genervt, wenn es von muster 1 gepflegt wird.
muster 1 braucht publikum, was muster 2 nicht versteht (weil es das selbst unerträglich findet).
muster 2 braucht "ignoriert werden", was muster 1 völlig abwegig findet (weil es das selbst gemein fände).

jedenfalls ist ein muster2-mensch in der nähe eines muster1-menschen echt aufgeschmissen. muster1-menschen sind ebenso aufgeschmissen in der nähe von muster2-menschen. außer der jeweils gesunde schaltet seinen kopf ein und hört auf mit der "was ich will, muss der andere auch wollen"-übertragung und tut, worum er gebeten wird. notfalls mit fest zusammengebissenen zähnen.

schön wäre auch, wenn man einander nicht vorwerfen würde, dass man das jeweils andere muster ist. schön wäre nämlich auch, wenn man das muster sein dürfte, das man ist. einfach, weil man's ist, nicht weil eines der beiden muster berechtigter ist als das andere. ich glaube, man hat ohnehin wenig muster-wahl: entweder man wird damit geboren, oder - das halte ich für wahrscheinlicher -  man bekommt irgendwann im laufe seiner sozialisierung einen schaden ab, auf den man dann wahlweise mit muster 1 oder muster 2 reagiert. vielleicht werden wir tatsächlich eher mit muster 1 geboren - für babies ist es das irgendwie logischere muster. wenn wir dann erzogen, sozialisiert, ignoriert, überbetüddelt oder sonstwas werden, dann entwickeln wir vielleicht muster 2. oder wir bleiben bei muster 1, aber in extremerer form. wer weiß.
in jedem fall aber: man ist, was man ist.

ich bin muster 2, und ich finde: muster 1 nervt.
und trotzdem gebe ich mir ne menge mühe, muster 1 zu pflegen, wenn muster 1 krank ist.
aber ich muss ganz schön die zähne zusammenbeißen. und das nicht, weil ich gnadenlos, bösartig, unsensibel, krankenscheu, hypochodrig oder unhilfsbereit wäre... glaub ich wengistens. es ist einfach wahnsinnig anstrengend - für den kopf. denn nein, per intuition geht's nicht. die würde nämlich sagen: "hey, geh weg, lass gut sein. salzstangen und ne kanne tee genügen. du wirst's überleben." - eine angenehm-entspannte reaktion aus der perspektive eines muster2ers, sehr uncharmant aus der perspektive eines muster1ers... also: zähne zusammenbeißen und lospflegen!

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