Mittwoch, 24. Juli 2013

seidenpapier

heute hat mich jemand gefragt, ob's eine kurzfristig wirksame maßnahme gegen das (hormonegesteuerte allmonatliche) seidenpapiergefühl gibt. meine antwort war: zeit vergehen lassen. geht ja von allein wieder weg.
und denke seither drüber nach, ob es nicht doch etwas gibt, das kurzfristiger hilft...

ein paar ansätze haben sich zumindest ergeben, was die bewertung dieser seltsamen, weitgehend unergründlichen einrichtung der natur betrifft.

bisher war ich der ansicht, die natur quäle uns frauen einmal im monat mit stimmungsschwankungen, die sich weder wirklich kontrollieren, noch erklären, geschweige denn wirklich aushalten lassen... auch nicht von usnerer (teilweise sehr unwissenden^^ und bedauernswerten) umgebung, um uns auf die extremen hormonschwankungen und damit einhergehenden, grassierendem hormoninduzierten wahnsinn in der schwangerschaft und danach vorzubereiten. als frau ohne schwnagerschaft und danach fragt man sich da: und wieso muss ich den quatsch mitmachen? ich brauch sowas echt nicht!

folge: mir nützt diese wunderbar biologische erklärung gar nix.

alternativen zur entlastung der nerven - genervtsein ist nämlich wirklich wenig erquicklich... vor allem, wenn man dünnhäutig ist - seidenpapierig eben - so sehr, dass man nicht nur jedes wort anderer auf die goldwaage legt, sondern die eigenen gleich mit, und das stunden nach einem gespräch. wenn man aus jedem einzelenen gedanken des gesprächspartners fünft konstruiert und dann versucht, auf alle fünf zu antworten, was natürlich fehlschlagen muss. wenn man sich fühlt wie ein tennisball, der über den winter im garten vergessen wurde. wenn man gleichzeitig jede gesellschaft unerträglich findet, aber keinesfalls mit sich allen sein will, weil man sich selbst noch viel unerträglicher findet.
ja, meine herren: das ist der normalzustand - alle vier wochen... und nein: man gewöhnt sich nicht daran: leider! ist das ein ammenmärchen - erzählt, um jene zu beruhigen, die noch allzu viele jahre des wahnwitzes vor sich haben...

aaaaber:
1. geht es vorbei, von ganz allein. nach ner handvoll tagen. (gut, dann kommen diese fiesen bauchschmerzen, aber die sind ja nichts gegen den irrwitz im kopf^^).
2. hormonkurven haben ja auch hochs: und die sind mindestens so intensiv wie das oben beschriebene tief. nur eben: HOCH! man(n) ... könnte schon sagen: das ist's wert. (und ja, im tierreich können die männer es riechen, das hoch. ;-) )
3. dünnhäutigkeit ist ja auch nur ein anderes wort für die nicht so unbeliebte fähigkeit, seine umgebung sehr genau wahrzunehmen. die perspektive mag ein wenig schlagseite haben, aber: man sieht/fühlt/erfährt die dinge anders. und anders ist zunächst mal gut.
4. in einem interview sollte ich mich selbst mit fünf adjektiven beschreiben. das dritte der gewählten war "melancholisch". ich mag diese seite an mir, weil sie tief, nah und echt ist. und wenn ich nur seidenpapier um mich habe, dann ist der weg in die tiefe und nähe viel leichter zu finden. also ist diese phase eine art brücke - schwankend zwar - aber doch eine brücke zur eigenen echtheit. anstrengend aber wichtig.
5. wer ab und an die verbidnung zu seinen gefühlen verloren zu haben glaubt, nehme sich eine seidenpapierphase und sie können mit leichtigkeit an die oberfläche geangelt werden. test: rührseelige filme gucken - möglichst ohne "publikum"... unabdingbare folge: garantierte reinigung der tränenkanäle! praktisch also. :-)

ich persönlich bin der meinung, dass meine fähigkeit, witze zu verstehen, in dieser phase des zyklus von 4 (oder 7, abhängig vom witzler^^) auf -3 auf einer skala von 1-10 fällt. jene, witze zu machen, sogar auf -5. wenn das genügt. meine fähigkeit, lineare gedanken zu denken, ist dann weitgehend ausgeschaltet... wer sich also beschweren möchte, dass ich hier zu viele punkte oder  zu wenige kommas oder sonst etwas verwendet hätte, der hüte sich - und beschwere sich frühstens übermorgen... ich bin nämlich:
ein origamidrache aus SEIDENPAPIER! gooooarrrrr...

2 Kommentare:

  1. Ich frage mich auch jeden Monat, wie die bedauernswerte Umgebung diesen Hormonwahnsinn überlebt - und wie die Menschheit im allgemeinen, denn Brutpflegehormone scheinen diese anderen Hormone nicht auszuschalten. Oder, wie Lenny es heute ausdrückte: Mama, du sollst nicht so schreien!
    Allerdings finde ich Deine Positivliste sehr beeindruckend (auch wenn es mir hormonbedingt gerade schwer fällt, sie zu akzeptieren ;) ), und habe ihr noch einen Punkt hinzuzufügen. Während meiner Depression war diese Zyklusphase die einzige Zeit, in der ich mir überhaupt irgendwas zugetraut habe. Vielleicht haben wir Frauen ja in dieser Zeit das gelegentlich nötige Aggressionsniveau, um zu erreichen, was wir wollen. Am zivilisierten Einsatz desselbigen arbeite ich allerdings noch...

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  2. ich glaub, der weibliche hormonwahnsinn sollte gewissermaßen der ausgleich zum testosteronwahnsinn der männer werden - bloß dass bei der planung was schief gelaufen ist... :-D (aber: siehe liste - eben nur teilweise: je nach perspektive ist der nette teil die panne, oder der unnette^^)
    ich finde das, was du über die depressionsphase erzählst, sehr erhellend! ja, ich denke, das ist ein guter aspekt der hormone - wenn auch ein unpraktischer - in dem ständigen achterbahnartigen wechsel steckt ne menge energie. um die gezielt anzuzapfen muss man das ganze aber wohl letztlich doch halbwegs von der positiven seite betrachten. let's practice - together! ;-)

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