gibt es einen unterschied zwischen religiösität und spiritualität? - ich glaube es im grunde nicht.
ich denke aber, dass verschiedene ausrichtungen von spiritualität - damit auch verschiedene religionen - einen unterschiedlichen grad an eigenverantwortung für das eigene handeln und die konsequenzen fordern. ich finde den in einem kommentar geäußerten gedanken interessant, dass es letztlich der glaube an eine höhere instanz ist, der einen handlungsfähig macht, da man in dieser eine art legitimation sieht, die die manchmal unabsehbaren konsequenen des handelns dahingehend bewerten, ob sie nach bestem wissen und gewissen im vertrauen auf diese positive höhere instanz ausgeführt wurden. darüber habe ich ziemlich lange nachgedacht.
meine eigene spiritualität ist nicht auf eine solche höhere instanz ausgerichtet (obwohl ich deren existenz nicht grundsätzlich in frage stelle). ich sehe mich damit zwar nicht allein in meinem handeln, aber völlig allein verantwortlich.
warum macht mich das nicht handlungsunfähig?
ich glaube, das liegt daran, dass ich denke, dass man selbst die ungewollten und unplanbaren konsequenzen des eigenen handelns dann verantworten kann, wenn man genügend guten willen, nachdenken und rücksicht aufgewandt hat, bevor man handelt. so gut das eben geht. (damit möchte ich auch einbeziehen, dass es völlig unmöglich ist, über jeden schritt, den man tut, endlos lange, oder auch nur immer genügend nachzudenken, denn das würde dann tatsächlich zu besagter handlungsunfähigkeit führen.) ein bisschen folgt das der kant'schen idee des guten willens. und sicher verlangt es auch eine gewissermaßen "diesseitige" toleranz gegenüber fehlern, anderer und den eigenen, was oft schwer ist.
ist es zu einfach zu sagen, dass man angesichts der unabsehbarkeit aller konsequenzen, stellt sich eine handlung als in ihrer konsequenz falsch, ungut, schädlich heraus, bereit sein muss, sich dafür zu entschuldigen, eventuell den versuch zu machen, die konsequenzen aufzufangen, auch einmal einzugestehen, dass man es nicht besser machen konnte? ist das falsch? (ich habe auf diese frage tatsächlich noch keine antwort gefunden, mit der ich mich zufrieden geben könnte. sicherlich ist der mensch fehlbar, aber ist es nicht allzu leicht, diese menschliche fehlbarkeit - und damit menschlichkeit - als ausrede für unachtsamkeit zu nutzen?)
andererseits - um auf einen weiteren aspekt besagten kommentars einzugehen: wie viele gedanken darf man sich abverlangen, bevor man sich außer stande fühlt, überhaupt zu handeln? bevor man jegliche gelassenheit verliert, erstarrt, keinerlei probleme mehr angehen und eventuell lösen kann, sondern stattdessen probleme schafft, für sich und andere? denn erstarrung - darauf kann man sich einigen? - hat noch nie dabei geholfen, ein "akzeptables" (?) leben zu führen?
Ich glaube, dass man eine Handlung hauptsächlich vor sich selbst verantworten können muss (Ich beziehe mich auf "wichtige" Handlungen, nicht Zähneputzen oder ähnliches). Natürlich bedarf es mal mehr, mal weniger Nachdenken im Vorraus, aber schlussendlich steht man vor der Entscheidung, eine Handlung bewusst zu unterlassen, oder sie mit bestem Können und Willen anzugehen. In beiden Fällen muss man natürlich die Konsequenzen tragen, auch wenn sie ganz anders kommen als erwartet, aber auch wenn man scheitert, hat man sich nicht hinter der Fehlbarkeit verborgen und kann wirklich daraus lernen.
AntwortenLöschenDie Alternative, nämlich zu erstarren und zuzulassen, dass die Geschehnisse einen mitreissen, ist meiner Erfahrung nach in ihren Konsequenzen weit schmerzhafter.