als deutsch-englisch-lehrer steht man auf der "dämlichkeitsliste" nach landläufiger ansicht ganz oben - mehr korrigieren geht nicht. folglich funktioniert es auch hervorragend, in korrekturzeiten (vor dem abitur, während des abiturs, vor weihnachten, nach weihnachten... also eigentlich immer...) über anzeichen von überarbeitung zu klagen und auf allgemeines verständnis zu treffen.
in meinem falle alles lug und trug... fürchte ich.
ich leide nämlich nicht unter korrekturen - auch wenn ich es gelegentlich behaupte (siehe oben...) - ich korrigiere ganz gerne, bin relativ effizient, und habe inzwischen auch fast immer klassen(stufen) und kurse, deren arbeiten mich nicht allzu sehr langweilen. wenn ich also darüber klage, dann, weil es diese art der arbeit ist, welche die meisten leute als nachvollziehbar ekelhaft empfinden. ein bisschen verständnis tut eben auch gut...
in wirklichkeit liegt das problem mit meinem job ganz woanders:
ich habe NUR den job.
das klingt sicher drastisch, denn ich habe ja noch mein pferdchen, meine hasen, die schlangen des nachbarn, freunde, hobbies, (ursprungs)familie... und all diese "dinge" haben ihren sinn und ihre bedeutung.
aber sie geben mir kein zentrum, keinen anker, keinen wirklichen tieferen sinn. das ist keine frage der definition, die ich mir irgendwann zurecht gelegt hätte. es ist eine feststellung.
also dreht sich letztlich im "bereich bedeutung" doch alles um den job.
und das IST ein problem - denn es entspricht nicht meiner vorstellung vom sinnvollen leben. ich bin nicht der meinung, dass der job - und sei er auch berufung - das wichtigste im leben ist beziehungsweise sein sollte.
und dennoch: in meinem leben ist er schon allzu lange der einzige wirkliche anker, sinn, bedeutung...
and THAT really sucks!
Watzlawick sagt zum Thema Sinn: "Ich behaupte, wenn es Menschen gäbe, die wirklich zu der Einsicht durchbrächen, daß sie die Konstrukteure ihrer eigenen Wirklichkeit sind, würden sich diese Menschen durch drei besondere Eigenschaften auszeichnen. Sie wären erstens frei, denn wer weiß, dass er sich seine eigene Wirklichkeit schafft, kann sie jederzeit auch anders schaffen. Zweitens wäre dieser Mensch im tiefsten ethischen Sinn verantwortlich, denn wer tatsächlich begriffen hat, dass er der Konstrukteur seiner eigenen Wirklichkeit ist, dem steht das bequeme Ausweichen in Sachzwänge und in die Schuld der anderen nicht mehr offen. Und drittens wäre ein solcher Mensch im tiefsten Sinne konziliant."
AntwortenLöschenKonziliant musste ich jetzt nachschlagen: "umgänglich, versöhnlich sein; im allgemeinen Umgang zu Zugeständnissen bereit"
Als ich diese Betrachtung vor ein paar Jahren gelesen habe, fand ich sie bei meiner eigenen Sinnsuche recht tröstlich. Seitdem erinnere ich mich gern immer wieder daran.
ich stimme dem grundsätzlich zu, und ich füge hinzu: wir sehen die wirklichkeit durch unsere augen und damit haben wir auch wieder eine wahl. außerdem halte ich die aussage zur konstruktion der eigenen wirklichkeit in gewissen situationen auch für "the easy way out" aus der verantwortung, sich um andere menschen zu kümmern. ich schätze watzlawik sehr und ich denke, er selbst sah es als ideal, sich selbt glücklicher machen zu können, aber er sah auch, dass das so einfach nicht ist. der existenzialismus camus' leugt mir demzufolge auch mehr als der sartres.
AntwortenLöschenund ich denke, dass wir soziale wesen sind. und das macht uns nun einmal unfrei. denn es gibt auch andere aussagen zur freiheit. beispielsweise diese: "freedom's just another word for nothing left to lose". ...
Tja, was soll ich sagen. Mangels höherer Schulbildung kam ich nicht in den vorgeschriebenen Genuss von Camus oder Satre. Von Watzlawick habe ich auch nur ein Buch ;-) Ich sehe mir gern die Sendungen über Ethik und Philosophie in Arte an - meist nur eine Viertelstunde, weil ich dann zur Arbeit muss. Insofern ist mein Bildungshorizont begrenzt und ich kann nicht en detail über Konstruktivismus disputieren. Insofern lebe ich mit der Simplifizierung und interpretiere diese herausgegriffenen Zitate vermutlich nicht immer im Sinne der Verfasser. Was also für mich aus seinen Worten heraussticht, ist die Einsicht, im Grundsatz frei zu sein, durch diese Freiheit die Bedeutung von Verantwortung wahrhaft zu verstehen und durch Ruhe und Sicherheit, die einem Freiheit und Selbstverantwortlichkeit verschaffen zu einem gelassenen Wesen zu gelangen. Seit ich dir diesen Absatz in dein Blog kopiert habe, versuche ich diesen Denkansatz verstärkt in mein bewusstes Denken einfließen zu lassen und, wie ich schon oben schrieb, ist für mich wesentlich, dass es für mich ein tröstlicher Gedanke ist.
AntwortenLöschenich wollte dich nicht mit zeugs zumüllen... und ich kann den tröstlichen aspekt, der in watzlawick steckt absolut nachvollziehen und finde ihn - by the way - auch sehr wichtig und richtig! nur reicht er für mich eben zur zeit nicht aus. das mag daran liegen, dass ich feststelle, dass mein leben leider doch nicht nur allein von mir selbst abhängt. ganz einfach, weil ich ein mensch bin. ich kann mich dem einfluss, den anderen menschen auf mich haben, nicht völlig entziehen. auch wenn mir das manchmal wünschenswert erscheint, letztlich will ich es wohl gar nicht.
AntwortenLöschenich bin schon lange der meinung, dass es stets der eigene blick auf die dinge ist, der die persönliche wahrheit schafft. und es wäre ischer auch praktisch, wenn mandas immer anwenden könnte. aber manchmal will ich auch einfach nur mein hirn ausschalten und mir erlauben, etwas, was andere machen, einfach nur blöd zu finden, auch wenn mir das dann mehr weh tut, als wenn ich es "weg-denken" würde... ich hab meinen kopf manchmal so satt!!
übrigens hat sartre nur sehr bedingt mit höherer schulbildung zu tun... ich schenk dir mal ein buch...