nach jahren melde
ich mich zurück – weil ich mir etwas unerfreuliches von der seele
schreiben möchte, das mir inzwischen auf den magen schlägt.
ich habe das Gefühl
– oder nehme ich es mit zunehmendem alter nur sensibler und
schmerzlicher wahr? ich weiß nicht... ich glaube eigentlich nicht...
- na, jedenfalls: die welt scheint auf allen ebenen das kommunizieren
vollkommen zu verlernen. natürlich war es schon immer schwierig,
richtig zu verstehen und richtig verstanden zu werden. aber ich
finde, inzwischen kommen aspekte wie nachlässigkeit, ignoranz und
rücksichtslosigkeit dazu, und zwar so schleichend, so versteckt,
dass zunächst kaum etwas zu merken ist. allein, es gibt mehr
missverständnisse, mehr streit manchmal sogar, mehr verletztheit,
mehr schweigen an der falschen stelle, mehr verunsicherung in so
vielen beziehungen: beruflichen, globalen, aber auch privaten.
jemandem nonverbal
aber überdeutlich nach dem wiedereinstieg in den beruf
„mitzuteilen“, wie nervtötend und lästig man ihn findet, finde
ich irgendetwas zwischen egoistisch und gemein.
→ spräche man
darüber – denn es ist meiner ansicht nach augenfällig und nicht
unverständlich, dass diese gefühle aufkommen können und dürfen –
so fände man sicherlich einen weg: rücksicht auf der einen, aus dem
weg gehen wenn möglich auf der anderen seite, zum beispiel?
jemandem ein
verhalten, das man nicht angemessen findet, nicht etwa direkt
mitzuteilen, sondern über zwei instanzen indirekt an den chef zu
tragen, dessen aufgabe dann darin besteht, eben dieser person
mitzuteilen, dass ihr verhalten jemandem, der anonym bleiben möchte,
aufgestoßen ist, finde ich feige und gemein.
→ spräche man
darüber direkt, so käme es zu einer deutlich kleineren und leichter
zu überwindenden kränkung und der gemeinsame alltag könnte
weiterlaufen, zu beider seiten wachsender zufriedenheit.
jemandem immer und
immer wieder mitzuteilen, dass er etwas „eh nicht versteht“ oder
„doch gar nicht zuhört“ - ohne zu bemerken, dass man ihm immer
und immer wieder notwendige informationen schuldig bleibt, auf
nachfragen dann aber aggressiv und genervt zu reagieren, finde ich
gesprächsfaul und rücksichtslos.
→ spräche man
tatsächlich zugewandt und am ergebnis interessiert miteinander,
können konflikte, streit, verletzungen und herabsetzung vermieden
werden. es täte der beziehung gut.
nachrichten in einer
form zu verbreiten, die absichtlich irreführend ist und auf kosten
bestimmter gruppen geht, dabei nicht nur fakten zu verdrehen, sie
missverständlich darzustellen, auf irrwege zu führen, gar zu lügen
(und eine lüge ist bekanntlich in der öffentlichkeit noch weniger
unter kontrolle zu bringen, als im privaten), das finde ich
niederträchtig und unmoralisch.
→ spräche man
offen und EHRLICH über die probleme und ängste, die diese welt
beherrschen und an den rand des untergangs bringen, setzte man sich
mit der komplexität der wirklichkeit gemeinsam auseinander, anstatt
sich gegenseitig in misskredit bringen, stets als der stärkere
dastehen und wichtiger und mächtiger sein zu wollen – wenn es also
tatsächlich endlich einmal um die REALITÄT ginge, um die DINGE,
anstatt um die vielen egos der vielen leute, ja dann, dann könnte
man bestimmt ängste besänftigen und probleme lösen.
WENN, ja wenn...
dann könnten wir alle harmonischer, friedlicher, zielführender,
ehrlicher, freundlicher und angenehmer miteinander streiten und lösen
und leben.
WENN, ja wenn
genügend leute sich genügend anzustrengen bereit WÄREN...
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