Donnerstag, 3. Oktober 2019

wenn...

nach jahren melde ich mich zurück – weil ich mir etwas unerfreuliches von der seele schreiben möchte, das mir inzwischen auf den magen schlägt.

ich habe das Gefühl – oder nehme ich es mit zunehmendem alter nur sensibler und schmerzlicher wahr? ich weiß nicht... ich glaube eigentlich nicht... - na, jedenfalls: die welt scheint auf allen ebenen das kommunizieren vollkommen zu verlernen. natürlich war es schon immer schwierig, richtig zu verstehen und richtig verstanden zu werden. aber ich finde, inzwischen kommen aspekte wie nachlässigkeit, ignoranz und rücksichtslosigkeit dazu, und zwar so schleichend, so versteckt, dass zunächst kaum etwas zu merken ist. allein, es gibt mehr missverständnisse, mehr streit manchmal sogar, mehr verletztheit, mehr schweigen an der falschen stelle, mehr verunsicherung in so vielen beziehungen: beruflichen, globalen, aber auch privaten.

jemandem nonverbal aber überdeutlich nach dem wiedereinstieg in den beruf „mitzuteilen“, wie nervtötend und lästig man ihn findet, finde ich irgendetwas zwischen egoistisch und gemein.
→ spräche man darüber – denn es ist meiner ansicht nach augenfällig und nicht unverständlich, dass diese gefühle aufkommen können und dürfen – so fände man sicherlich einen weg: rücksicht auf der einen, aus dem weg gehen wenn möglich auf der anderen seite, zum beispiel?

jemandem ein verhalten, das man nicht angemessen findet, nicht etwa direkt mitzuteilen, sondern über zwei instanzen indirekt an den chef zu tragen, dessen aufgabe dann darin besteht, eben dieser person mitzuteilen, dass ihr verhalten jemandem, der anonym bleiben möchte, aufgestoßen ist, finde ich feige und gemein.
→ spräche man darüber direkt, so käme es zu einer deutlich kleineren und leichter zu überwindenden kränkung und der gemeinsame alltag könnte weiterlaufen, zu beider seiten wachsender zufriedenheit.

jemandem immer und immer wieder mitzuteilen, dass er etwas „eh nicht versteht“ oder „doch gar nicht zuhört“ - ohne zu bemerken, dass man ihm immer und immer wieder notwendige informationen schuldig bleibt, auf nachfragen dann aber aggressiv und genervt zu reagieren, finde ich gesprächsfaul und rücksichtslos.
→ spräche man tatsächlich zugewandt und am ergebnis interessiert miteinander, können konflikte, streit, verletzungen und herabsetzung vermieden werden. es täte der beziehung gut.

nachrichten in einer form zu verbreiten, die absichtlich irreführend ist und auf kosten bestimmter gruppen geht, dabei nicht nur fakten zu verdrehen, sie missverständlich darzustellen, auf irrwege zu führen, gar zu lügen (und eine lüge ist bekanntlich in der öffentlichkeit noch weniger unter kontrolle zu bringen, als im privaten), das finde ich niederträchtig und unmoralisch.
→ spräche man offen und EHRLICH über die probleme und ängste, die diese welt beherrschen und an den rand des untergangs bringen, setzte man sich mit der komplexität der wirklichkeit gemeinsam auseinander, anstatt sich gegenseitig in misskredit bringen, stets als der stärkere dastehen und wichtiger und mächtiger sein zu wollen – wenn es also tatsächlich endlich einmal um die REALITÄT ginge, um die DINGE, anstatt um die vielen egos der vielen leute, ja dann, dann könnte man bestimmt ängste besänftigen und probleme lösen.

WENN, ja wenn... dann könnten wir alle harmonischer, friedlicher, zielführender, ehrlicher, freundlicher und angenehmer miteinander streiten und lösen und leben.

WENN, ja wenn genügend leute sich genügend anzustrengen bereit WÄREN...

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