Sonntag, 1. März 2015

why should anyone write a travelling diary?

Wenn lauter Leute um einen herum Reisetagebücher schreiben, kann man auf den Gedanken kommen, das doch selbst auch zu tun. Da ich tatsächlich öfter mal zum Schreiben aufgefordert werde und das eigentlich grundsätzlich automatisch Widerstand hervorruft...   

Warum also Reisetagebuch schreiben? Ich bin  nämlich insgesamt ein wenig verliebt in die Vorstellung der Wandlungsfähigkeit von Erinnerung. Erinnerungen wählen sich auch selbst aus. Ich beobachte das an mir selbst oft: Mir entfallen scheinbar auffällige Erlebnisse völlig, scheinbar Winziges schiebt sich in den Vordergrund, wird groß, dick und wichtig. Manchmal tauchen Dinge auch wieder auf. Ich stehe beispielsweise am Flughafen in der erstaunlich langen Schlange an der Sicherheitskontrolle und erinnere mich plötzlich bildgenau an das Büffet auf dem Nilkreuzfahrtschiff. Bemerkenswert: Die Kreuzfahrt ist über 10 Jahre her und ich bin im Begriff, in die Türkei zu fliegen, nicht etwa nach Ägypten. 
 
Ich bin wie gesagt ein bisschen verliebt in diese Art des Erinnerns. Aufzeichnungen kann man zwar unwiedergelesen auf dem Dachboden verstauben lassen, aber dann hätte man sie auch gleich nicht anfertigen können. Was aber noch "schlimmer" ist: Der Prozess des Aufschreibens stellt eine Vorauswahl des Erinnerungswürdigen dar. Er wertet im Augenblick und tötet damit anderes, Winziges, scheinbar Unwesentliches. Das finde ich schade. 
 
Natürlich erhält Aufschreiben auch vieles am Leben, was das - nennen wir es natürliche - Erinnern verloren hätte. Das wiederum hat ja auch seinen Reiz. 
 
Eine weitere Sichtweise mag sein, dass Reise"erinnerungen", die man während des Reisens niederschreibt, das Augenblickserlebnis festhalten, das so nicht wiederzuholen ist, wenn man aus der Retrospektive schreibt. 

Zuletzt habe ich eine Art Reisetagebuch geschrieben, als ich allein in Amerika war, weil ich die Eindrücke des Tages teilen wollte. Und daraus ergibt sich meine persönliche Motivation, das Aufschreiben derartiger Dinge zu überdenken und zu erwägen: Ich schreibe nicht gern für mich selbst. Ich schreibe aber gerne für andere. Um meiner selbst willen: weil ich gerne teile. Egoistisch gesehen. 

Vielleicht also gibt es irgendwann eine Wiederbelebung der Wurzeln dieses blogs: Reisenteilen. 

Im Sommer wage ich mich nämlich nach gefühlt einem halben Leben wieder an den Ort meiner tiefsten Sehnsucht: Schottland. Vielleicht allein. Und vielleicht brauche ich dann Publikum. :-)
 
nachtrag: oder alles kommt anders, als man denk...  das bleibt dann wohl abzuwarten...



und nachzudenken wäre außerdem noch über... photographieren... irgendwann einmal... demnächst vielleicht...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen