Warum
also Reisetagebuch schreiben? Ich bin nämlich insgesamt ein wenig
verliebt in die Vorstellung der Wandlungsfähigkeit von Erinnerung.
Erinnerungen wählen sich auch selbst aus. Ich beobachte das an mir
selbst oft: Mir entfallen scheinbar auffällige Erlebnisse völlig,
scheinbar Winziges schiebt sich in den Vordergrund, wird groß, dick und
wichtig. Manchmal tauchen Dinge auch wieder auf. Ich stehe
beispielsweise am Flughafen in der erstaunlich langen Schlange an der
Sicherheitskontrolle und erinnere mich plötzlich bildgenau an das Büffet
auf dem Nilkreuzfahrtschiff. Bemerkenswert: Die Kreuzfahrt ist über 10
Jahre her und ich bin im Begriff, in die Türkei zu fliegen, nicht etwa
nach Ägypten.
Ich bin wie gesagt ein bisschen verliebt in
diese Art des Erinnerns. Aufzeichnungen kann man zwar unwiedergelesen
auf dem Dachboden verstauben lassen, aber dann hätte man sie auch gleich
nicht anfertigen können. Was aber noch "schlimmer" ist: Der Prozess des
Aufschreibens stellt eine Vorauswahl des Erinnerungswürdigen dar. Er
wertet im Augenblick und tötet damit anderes, Winziges, scheinbar
Unwesentliches. Das finde ich schade.
Natürlich erhält
Aufschreiben auch vieles am Leben, was das - nennen wir es natürliche -
Erinnern verloren hätte. Das wiederum hat ja auch seinen Reiz.
Eine
weitere Sichtweise mag sein, dass Reise"erinnerungen", die man
während des Reisens niederschreibt, das Augenblickserlebnis festhalten,
das so nicht wiederzuholen ist, wenn man aus der Retrospektive schreibt.
Zuletzt
habe ich eine Art Reisetagebuch geschrieben, als ich allein in Amerika
war, weil ich die Eindrücke des Tages teilen wollte. Und daraus ergibt
sich meine persönliche Motivation, das Aufschreiben derartiger Dinge zu
überdenken und zu erwägen: Ich schreibe nicht gern für mich selbst. Ich
schreibe aber gerne für andere. Um meiner selbst willen: weil ich gerne
teile. Egoistisch gesehen.
Vielleicht also gibt es irgendwann eine Wiederbelebung der Wurzeln dieses blogs: Reisenteilen.
Im
Sommer wage ich mich nämlich nach gefühlt einem halben Leben wieder an
den Ort meiner tiefsten Sehnsucht: Schottland. Vielleicht allein. Und
vielleicht brauche ich dann Publikum. :-)
nachtrag: oder alles kommt anders, als man denk... das bleibt dann wohl abzuwarten...
und nachzudenken wäre außerdem noch über... photographieren... irgendwann einmal... demnächst vielleicht...


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