selbstbewusstsein im wörtliche(ere)n sinne bedeutet - für mich: sich selbst kennen - sich seiner selbst bewusst sein - nicht zu verwechseln mit selbstwert: sich seines wertes bewusst sein und ihn auch empfinden.
hier geht es heute nicht um selbstwert, sondern darum, wie man zu besagtem selbst-bewusstsein kommt.
1. durch erfahrung. man erlebt etwas und sich selbst in bestimmten situationen und beobachtet, wie man reagiert - innerlich und äußerlich. nachher weiß man etwas über sich.
2. durch nachdenken. man erlebt sich mit und ohne andere in gewissen situationen und denkt darüber nach. über handlungsweisen, gefühle, gründe und motivationen für das eigene handeln und fühlen. man denkt sich also etwas über sich.
3. durch die augen anderer. man sieht, wie andere auf einen reagieren. man hört, was andere über einen sagen, zu einem. man lernt, wie man wirkt und ist in den augen der anderen.
die erste variante ist vermutlich die unproblematischste. und die ursprünglichste. "fehlerquellen"? wenige, da das lernen sehr unmittelbar ist: wenn dies oder jenes passiert, reagiere ich auf diese und jene weise. fertig.
die zweite variante ist sehr geprägt von der eigenen denkweise, vom wertesystem, auch durch erfahrungen, da lauern der "fehlerquellen" folglich zahllose. denn das nachdenken bedingt immer interpretation. und die ist vorurteils- und erwartungsbelastet. was da an erkenntnis herauskommt, halte ich für... zumindest fragwürdig. und das, obwohl ich diese methode oft und "gern" benutze, in dem treuen glauben an meine analysefertigkeiten...und die fähigkeit, meine auffassung notfalls zu ändern, auch die meiner selbst...
wirklich schwierig finde ich variante drei. manch einer meint, sich der kraft des spiegels entziehen zu können. stimmt das? ich weiß es nicht... manchmal habe ich zweifel.
ich selbst kann es nicht gut. so sehr ich das können möchte - absehen von der (an)sicht anderer. ich tue mich sehr schwer, die meinung anderer über mich völlig zu ignorieren. ich erkenne, dass das hilfreich, dass es - wage ich zu behaupten - manchmal dringend nötig, auf alle fälle sehr gesund wäre, das ab und zu, jedenfalls viel häufiger - zu tun. stattdessen wankt mein selbstbild, wenn es sich nicht halbwegs deckt mit dem (geäußerten) bild anderer. natürlich kommt es schon ein wenig darauf an, wer sich äußert.
obwohl ich mich für recht begabt in den varianten eins und zwei halte, variante drei wirft mich aus der bahn. immer wieder. es ist nicht so, dass sich mein selbstbild und mein wertesystem völlig ändern, wenn jemand mich anders sieht und dinge anders bewertet als ich. aber ich fange an darüber nachzudenken, stets bereit, meine ansicht zu ändern, manchmal in so massiver weise, dass die basis, auf der ich stehe, schwankt wie ein schiff bei heftigem seegang... und entsprechend seekrank wird dann meine seele (mit anschließender - sehr konkreter - reaktion meines magens...)
woher kommt das?
zum einen - stelle ich mal in den raum - ist es eine frage der erziehung als "weibchen". wir werden noch immer deutlich mehr dahingehend geprägt, dass das, was andere denken über uns, entscheidend wichtig ist. wir lernen, variante drei stärker zu gewichten als die varianten eins und zwei - "männchen" dürften das etwas anders sehen... sicher mag es auch hier individuelle unterschiede geben, aber als tendenz denke ich, dies ausgemacht zu haben.
zum anderen ist es sicher eine frage der persönlichen erfahrung. wer genügend aneckt, findet irgendwann heraus, dass das zusammenleben mit anderen - das uns als mensch ja doch erstrebenswert ist - einfacher wird, wenn man genau darauf achtet, was das gegenüber so denkt, meint, wünscht. und ja, das prägt das selbstbild.
wenn ich allein bin mit mir, kenne ich mich sehr gut. habe ein klares bild. kommen andere hinzu, wird vieles sehr kompliziert. dann sehe ich mich umringt von spiegeln. und alle zeigen unterschiedliches. selbst, wenn ich in manche gar nicht mehr gucke, manchen mehr bedeutung zumesse als anderen: es bleibt ein splitterbild. dieses splitterbild legt sich dann über das vorher klare selbstbild...
augen zumachen hilft nichts - es ist ja alles reine kopfsache... sagt einer der spiegel.
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