Sonntag, 14. Oktober 2012

grenzgänger...

eben habe ich einen brief von jemandem bekommen, in dem mir dieser jemand genau erläutert, inwiefern ich eine borderlinestörung habe.

zum zweiten mal in meinem leben wird mir - mehr oder weniger aus dem blauen heraus - ohne danach gefragt zu haben - eine drastische psychotische persönlichkeitsstörung vorgeworfen. oder unterstellt? oder angeboten? - wie drückt man sowas aus?...

schmerzvoll erschüttert sitze ich dann da und überlege, wie ich damit konstruktiv umgehe.
soll ich in panische selbstzweifel verfallen - die mir ja übrigens als ein symptom dargelegt werden?
soll ich von der nächsten brücke springen, um meine freunde, die alle aufgerieben werden zwischen meinen wechselbädern von liebe und hass (???), zu retten? - das wäre auf alle fälle typisch borderliner.

soll ich in ruhe darüber nachdenken, wie geanu dieser eindruck entstanden ist. (das ist mir übrigens tasächlich recht leicht nachvollziehbar - meine stimmungsschwankungen sind nicht unwesentlich heftig zu zeiten, meine selbstaussagen zuweilen widersprüchlich und wirr... halbwegs unbesehen passt das hübsch in die unter wikipedia leicht aufzufindende liste der symptomatik der boderlinestörungen.)

oder soll ich überlegen, was solch eine diagnose über denjenigen aussagt, der diese diagnose auf diese weise stellt?

ein bisschen habe ich nachgedacht (aber nicht zu viel, sonst wird's wieder so neuro-psychotisch...):
ich weiß, dass ich den eindruck einer unsteten, ungefestigten persönlichekit vermitteln kann, wenn ich in phasen arger reflexion und unsicherheit in krisenzeiten zu viel darüber spreche, was ich sehe und wie ich mich und andere sehe. dann kommen sehr wirre gedanken herauagesprudelt, die sich entweder sofort, oder doch irgendwann, gerne einmal auch widersprechen, keine glattes bild entwerfen, manchmal sogar beängstigend sein mögen. aber: was ich sage, ist das eine: worte sind oft die suche nach einem bild, das nicht ganz klar vor dem inneren auge steht. das bild, das aufgrund dieser worte im kopf eiese anderen entsteht, mag um ein vielfaches zerbrochener sein, als es das ursprüngliche ist, das ich mit meinen worten zu beschreiben versuchte.

wenn ich mich (und sei's nur ein wenig) abwende von menschen, denen ich eigentlich zugetan bin, weil ich etwas nicht mehr gut aushalte, weil ich eventuell auch nicht mehr aushalten, auffangen, herhalten will. weil ich gelegentlich an meine grenzen stoße und meinen breaking point nicht erreichen will. ja dann... kommt gerne einmal so eine diagnose aus dem nichts...

was sagt das über mich aus?
was sagt das über andere aus?

mich macht es in zweiter linie wütend.
in erster linie macht es mich traurig.

denn jemandem borderline zu "unterstellen" - das ist eine verdammt finale aussage zum thema freundschaft. oder nicht?

meine (vielleicht?^^) letzten worte hierzu:
ich bin mir meiner etwas achterbahnigen persönlichkeit sehr bewusst. ich sehe mich manchmal sehr anders, als mich andere sehen. ich hadere oft mit mir. aber - glaubt es oder nicht - ich habe einen kern, der ganz fest ist. der ist der fels, aus dem meine energie entspringt. tätovierte ich mir zwei wörter, sie lauteten sie nicht "liebe " und "hass". es wären die worte "liebe" und "hingabe". egal, wie kritisch, ja negativ, ich die welt manchmal sehe, egal wie zornig ich manchmal sein mag, wie verzweifelt über unrecht und unachtsamkeit, ich hasse nicht. (auch dann nicht, wenn ich das wort benutze... ich glaube, ich weiß nicht mal so recht, wie das geht.)

ja, ich sehe mich als grenzgänger. aber ich bin kein borderliner.

1 Kommentar:

  1. hm, das ist allerdings wenig nett. das mit den paranoiden selbstzweifeln würde ich mal getrost sein lassen. denn wie du ja selbst sagst-und das kann ich bestätigen-, der Kern deines Wesens ist eigentlich immer der gleiche, auch wenn die "Tagesform" mal variiert. Und auch sonst kann ich die zugrunde liegenden Symptome nicht sehen.
    und zum thema hass: ich glaube dass die wenigsten menschen wissen, wie sich dieses gefühl anfühlt, schließlich wird so ein extremes gefühl nur aus extremen Umständen geboren, die die meisten von uns nicht haben/nie hatten (zum glück).

    AntwortenLöschen