Sonntag, 15. April 2012

social networks

nein, nein, ich möchte jetzt nicht über soziale netzwerke wie facebook oder lustige rollenspiel-foren nachdenken. ich mache mir gedanken über ganz altmodische soziale netzwerke: bekannten- und freundeskreise.

man hat ja - so denke ich - mit etwas erfahrung und etwas feingefühl doch nun eigentlich von menschen, die man neu kennenlernt, recht schnell eine recht präzise vorstellung, die sich in ihren grundzügen auch meist nach jahren noch als halbwegs richtig herausstellt. aber: ich stelle fest, dass dies nur auf einer höchst eindimensionalen ebene stimmt, nämlich der des 1:1-kontakts mit diesen menschen. man kann menschen in bezug auf sich selbst, in ihrem verhältnis zu einem selbst, recht gut einschätzen.

ganz anders aber scheint es mit denselben menschen in sozialen kontexten zu sein. was erlebe ich nicht immer wieder - nach jahren (anderenfalls wäre es wohl kaum verwunderlich) - für erstaunliche überraschungen. ich denke, ich kenne jemanden recht gut, und dann erlebe ich ihn/sie in einem anderen umfeld, oder aber das übliche umfeld wird durch irgendein ereignis, einen konflikt oder durch das sich plötzlich wandelnde verhalten eines weiteren mitglieds dieser gruppe, verändert, dann verhalten sich menschen, die ich zu kennen glaubte, plötzlich völlig unerwartet, zeigen facetten einer persönlichkeit, die ich ihnen - wenigstens in diesem maße - nicht zugetraut hätte. manchmal geht es mir sogar so, dass ich an meiner fähigkeit, menschen einzuschätzen gänzlich zweifeln möchte: da verhält sich jemand, den ich immer gut einschätzen konnte, plötzlich so seltsam, dass ich meiner eigenen einschätzung ganz allgemein nicht mehr trauen will.

welche folgen hat diese erkenntnis nun?
sollte man schlicht menschen erst trauen, wenn man sie schon sehr lange kennt und durch möglichst viele krisen mit ihnen gegangen ist, sie in möglichst vielen unterschiedlichen krisensituationen in möglichst unterscheidlichen gruppen erlebt hat?
sollte man überhaupt noch jemals das gefühl, jemanden gut zu kennen und gut einschätzen zu können, zulassen, sich also sicher fühlen in der nähe eines menschen, den man eventuell noch nicht seit 20 jahren kennt?

wie soll man dann neue freundschaften und beziehungen aufbauen? geht das dann überhaupt noch? oder nur auf das - fast garantierte - risiko hin, eines tages schockiert festzustellen, dass man sich ja doch ziemlich geirrt hat, oder aber wenigstens damit konfrontiert sieht, seine beziehung zu einem menschen völlig neu zu definieren und gewissermaßen bei null anzufangen?
na, mahlzeit. das sind vielversprechende perspektiven...

was also nun? "play it safe and be content with old(est) friends" oder  "no risk, no future?

4 Kommentare:

  1. Also ich denke, dass facebook.....ach so...old school also.ok.
    Dass der mensch in verschiedenen sozialen umfeldern vollständig anders agieren und reagieren kann ist ja an sich nichts neues. trotzdem ist es ein stets interessantes thema, vor allem weil man, wenn man kann, dies an sich selbst gut beobachten kann. ich zeige nur leuten die ich wirklich mag mein "wahres gesicht", für den rest trage ich eine maske (auch immer andere).dabei merke ich aber, dass ich auch zwischen einzelnen besagten mein verhalten geringfügig ändere.(was ist dann überhaupt noch mein "wahres ich"?das was ich von mir denke (oh-oh) oder eine mixtur aus allem??)
    aber letzten endes kommt es denke ich auf eines an.
    so wie du einen menschen kennst, wie er sich gibt und sich dir gegenüber verhält, wird es zumeist zwischen euch sein, zumindets wird dein gegenüber es so wollen (meistens).und davon als grundlage würde ich ausgehen.natürlich weicht man von diesem verhalten in gewissen situationen ab, aber letztendlich kehrt man doch meist in diese "ursprungshaltung" zurück. daher läuft es meiner ansicht nach darauf zurück, ob einem diese gefällt oder eben nicht.

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  2. hm. vermutlich bliebt es dann eben auch dabei,dass in gewissen konstellationen menschen sich dann entsprechend stabil anders verhalten, solange die konstellation ist, wie sie ist, also die befindlichkeiten der jeweiligen leute sich nicht groß geändert haben. mein fazit: wenn ich erlebe, dass menschen, denen ich vertraut habe und auch weiterhin in der 1.1-konstellation weitgehend vertraue (hoffe ich...), sich in gewissen anderen zusammenhängen mir gegenüber seltsam bis... naja... lassen wir das... verhalten, entziehe ich mich.
    ich werd also weiterhin versuchen, für mich selbst eine halbwegs passende defintion zu finden, wer oder was ich - in bezug auf andere menschen... nein falsch: in bezug auf menschengruppen - bin. yey! a task for a lifetime!

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  3. Ich muss an eine Freundin von mir denken, die sich spontan total von mir abwandte, als sich mein Leben gerade sehr positiv verändert hatte. Irgendwie war ich ihr wohl zu glücklich, um's auszuhalten. Was mich sehr enttäuscht hat. Es hat Jahre (und viel Abstand) gebraucht, bis sich unser Verhältnis einigermaßen normalisiert hat. Trotzdem würde ich sagen: Die Freundschaft vorher war es wert, enttäuscht zu werden. Vielleicht ist das der Vorteil von Freunden im Ggs. zu Beziehungen: Man kann sich eine längere Leine lassen und eben auch mal Abstand halten, wenn nötig. (So lange man genug andere Freunde hat, die die Lücke in der Zwischenzeit füllen.) Und sich dann eben auch wieder zusammenraufen - Freunde bleiben.
    Die andere Variante - von Freunden möglichst wenig Gutes erwarten, um nicht enttäuscht zu werden, oder sich gar nicht erst mit jemandem anfreunden - macht einen wahrscheinlich genau zu der Sorte Mensch, wie dein Kollege aus dem nächsten Post einer ist...

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  4. damit hast du bestimmt recht. aber nach gewissen erlebnissen - so stelle ich fest - ist es furchtbar schwer mit dem einlassen und vertrauen geworden. so sehr mein verstand sagt, du willst den abstand nicht und das misstrauen, so sehr schreit mein herz: achtung!! fußangeln!... :-(

    und da bin ich dann sehr froh um die ganz "alten" freunde... gewissermaßen ist da einfach zu lange nichts schlimmes passiert, als das ich nachträglich noch in panik geraten könnte. :-) die neuen, diejenigen, die ganz oben auf meiner "ich-will-mich-drauf-einlassen"-liste stehen, die müssen gerade schrecklich viel geduld haben, so fürchte ich... ich hoffe inständig, sie haben das.

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