Montag, 18. Januar 2010

comment on comment: priorities...

ausgelöst durch einen kommentar auf meinen letzten eintrag:

ich hab darüber nachgedacht, wie es ist mit prioritäten.
zitat:
prio 1 = auf jeden fall
prio 2 = aber ganz sicher
prio 3 = wenn noch zeit bleibt

was tun, wenn prio 1 und 2 einen hohen unwahrscheinlichkeitsfaktor haben?

es klingt vernünftig, nach einer prio 3 zu suchen, die einem das leben leichter macht, weil sie eventuell zu erfolgserlebnissen führt.

was aber, wenn man auf prio 3 hängen bleibt, weil man prio 1 und 2 so weit weg geschoben hat? damit sie nicht mehr weh tun?

ich finde: gefährlich!

deshalb bin ich für mich zu einem anderen schluss gekommen:
ich setzte mich dem schmerz aus - denn das fühlt sich wenigstens lebendig an - vor allem im vergleich zu dem seltsamen gefühl von taubheit, das ich lange genug hatte, ausgelöst durch das ergebnis von einem zu lange auf prio 3 hängen bleiben und vergessen, was prio 1 und 2 überhaupt waren.

und irgendwann - ich kenn mich - mache ich irgend etwas, um aus der phase heraus zu kommen, in der ich die illusion der wirklichkeit vorziehe. manchmal verschieben sich die prioritäten dann, manchmal nicht.

eins aber ist sicher: ich bin mir selbst näher, wenn ich meinen wirklichen prioritäten treu bin. manchmal - und das mag morbid klingen, ist es aber nicht! - ist schmerz besser, als sich gar nicht zu fühlen,

und ich lerne eine menge darüber, was mir wirklich wichtig ist - was es wert ist, ein bisschen schmerz, nachdenklichkeit, ein bisschen hoffnungslosigkeit, und heimlich auch ein bisschen unsinniges, illusorisches hoffen auszuhalten.

unglücklich würde ich mich nicht nennen.
nur nicht die dauernde, bequeme grinsekatze...

6 Kommentare:

  1. Wie immer ist die Dosis das Gift. Ich kenne durchaus Gefühlslagen, die ich mit der deinen vergleichen würde - wenngleich ich bei weitem nicht so reflektiert war, wie du es jetzt bist. Meine Lehre aus meiner Situation würde ich mit Mäßigkeit umschreiben. Ein wenig den Druck aus der Sehnsucht rausnehmen, indem man die "Prio3" ranzieht. Weil Sehnsucht ist nicht ganz so schlecht (wie ich momentan feststelle), aber ich möchte mich nicht von ihr auffressen lassen, indem ich mich an eine schwer erreichbare Sache fessele und meine zweite Wahl auch nicht viel "besser" ist. Wie im Rollenspiel, nicht wahr? :-) Die Charaktäre brauchen ab und an eine Verschnaufpause, einen kleinen dauerhaften Erfolg, die Vision neben der Marter.

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  2. da ist was dran - auf alle fälle. ich hab einfach nur angst vor der mittelmäßigkeit - meines lebens, meiner gefühle - von einfach allem.

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  3. *shrug* Wenn du magst, kannst du mich mittelmäßig nennen.

    Ich habe allerdings nicht von "Mittelmaß", sondern von "Mäßigkeit" geschrieben und ich sehe darin einen Unterschied, dann ich möchte es nicht als "Die Hälfte vom Ganzen" oder einen faulen Kompromiss bezeichnen. Ich übernehme lieber Umschreibungen aus meinem Tarot, dass in die Richtung "Messen, Zusammenführen, Transformieren" geht (gemessenen Schrittes, angemessen reagieren, mit Augenmaß handeln).

    Aus diesem Blickwinkel ist es aber auch völlig in Ordnung, wenn du dich auf deine Intuition (der Narr) fokussierst und auf den restlichen Schmonnes keine Lust hast.

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  4. na hoppla - so krass wollt ich das eigentlich nicht sagen. aber du hast insofern recht mit deiner reaktion, dass sich in meiner aussage zweifel an dem - deinem - mittelweg andeuteten. ich bin davon überzeugt, dass der mittelweg ein gangbarer weg ist. ich habe nur zweifel daran, ob er uns dahin führt, wo wir letztendlich hinwollen.
    es gibt bestimmt zeiten im leben, in welchen allein der mittelweg der richtige ist, aber es gibt auch zeiten - für mich jedenfalls - wo sich gerade dieser weg als irrweg herausstellt. und an diesem punkt bin ich angekommen. und by the way: es tut sauweh!

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  5. Hilfe, warum schreiben alle so schnell! Ich komm ja gar nicht mehr hinterher mit Kommentieren!
    Ich finde, ihr habt beide recht. Es gibt Wünsche und Sehnsüchte, wo es angebracht ist, Prio 3 einzuschalten und einfach nicht mehr so viel Leid da reinzuinvestieren. Sich zu mäßigen. Ich erinnere mich an eine Reise nach Qatar, die ich mal geschenkt gekriegt habe, komplett mit Übernachtung im Ritz Carlton, Fünf-Gänge-Menü in der Botschaft und Treffen mit the rich and the famous. (Plus Touren im Jeep durch die Wüste und Besuch auf Märkten, auf denen es wilderes Obst gab, als man sich vorstellen kann, was ich persönlich noch viel cooler fand.) Danach hatte ich tatsächlich einige Zeit voll die Krise, weil ich mir zum ersten Mal wünschte, mehr Geld zu haben, als ich jemals haben werde. Irgendwann setzte dann das realistische Denken wieder ein und ich war's zufrieden.
    Aber es gibt Dinge, die sind zu wichtig, als dass man sich mäßigen und seine Wünsche (allzusehr) einschränken dürfte. Wie zum Beispiel Beziehungen. Was Naiko (wie ich) ja auch schon leidvoll mitgemacht hat.
    Nur, wie weiß man, wann man sich verrennt und lieber einen Gang runterschaltet oder wann man besser alles an die Verwirklichung seiner Wünsche setzen muss, um sich selbst nicht zu verraten? Wie kommt es nur, dass viele von uns so out of touch mit uns selbst sind, dass diese Frage nicht meistens völlig klar ist?
    Wie so oft läuft es auf das Wie hinaus: Wie finden wir so weit zu uns selbst, dass wir es wissen?
    Wish I knew...
    Tanja

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  6. und weil ich eben glaube, dass die antwort da zu finden ist, wo wir gebildeten (und verkopften!) verstandesmenschen sie schon lange nicht mehr suchen: in unserer intuition. und ich bin überzeugt, dass wir die nicht auf dem weg verloren haben, wir hören nur nicht mehr drauf. und weil mich das nachweislich nicht weiter gebracht hat, habe ich eben jetzt beschlossen, sie wieder zu ebachten - und das ist furchtbar anstrengend. für mich und andere. aber ich denke, es ist das richtige. und da gibt es dann in den wichtigen dingen (menschen, leben...)keine prio 3 mehr für mich.
    was das dann in der wirklichkeit für folgen hat bzw. wie ich das umsetzen soll - i wish i knew...

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