Mittwoch, 16. September 2009

Friends?

Warnung: Treibsand - Verletzungsgefahr

In den letzten Tagen gehen mir Gedanken durch den Kopf, die nicht besonders poetisch sind. Vermutlich könnte man daraus Literatur kreieren, wenn man könnte...

Naiko:
Unter ihren Füßen ist nichts als Eis und Schnee. Was wird bedeckt von dieser Decke aus Frost und Weiß? Sie weiß es nicht. Ist dort unten überhaupt etwas? Sie weiß es nicht. Felsen? Gestein? Oder wieder Eis? Sie weiß es nicht. Eis bis weit in die Tiefe der Erde hinein? Erde.

Die Luft um sie ist kalt. Klirrend. Sie spürt die Kälte. Nicht. Ein leiser eisiger Wind streicht über ihr regungsloses Gesicht. Sie fühlt ihn. Nicht. Kälte berührt ihre Haut nicht schmerzhaft. Nicht mehr. Wie damals. Nun ist sie in ihr. Herz aus Schnee? Seele aus Eis?

Das habe ich vor Jahren zum Thema Freundschaft geschrieben – aus Naikos Sicht. Nun ist Naiko ein Vampire mit einer allzu menschlichen Seele und einem ausgeprägten Nicht-Talent für soziale Bindungen... fragt Goya. Und Literatur ist das auch nicht – ich fürchte, ich bin halbwegs qualifiziert, das zu beurteilen...


So weit werde ich jedenfalls nicht kommen. Versprochen. Worüber ich nachdenke? Gestern? Heute?
Freundschaft.
Was ist das?
Ich habe im ersten Eintrag dazu irgend etwas geschrieben. Erinnere ich richtig?

Wie dem auch sei:

Was ist Freundschaft? Vermutlich hat jeder darauf eine andere Antworten, aber da dies ja ein Tagebuch ist, das versprochenermaßen meine Gedanken zu enthalten hat, versuche ich – damit sie abgelegt werden können und nicht mehr dauernd in meinem Kopf herum spuken (sorry, nicht sehr charmant als Begründung, aber wahr...) - ein Annäherung an eine -meine Antwort...

Loyalität.
Ist das kitschig? Übertrieben? Unrealistisch?
Was meine ich überhaupt damit? Sicher nicht gedankenloses Ja-Sagen. Aber irgend so etwas wie ein Zueinander stehen, inklusive Ehrlichkeit und Kritik, wenn es nötig oder einfach die eigene Meinung ist. Aber zugleich auch Toleranz, Akzeptanz. Dem anderen seine Ansichten lassen, ohne die eigenen hintan zu stellen. Das ist Loyalität für mich.

Interesse.
Am Leben des anderen teilnehmen. Nicht ununterbrochen. Nicht ausschließlich. Nicht zwanghaft. Nicht anstatt ein eigenes Leben zu leben. Aber irgendwie bedeutet Freundschaft für mich, dass ich ein Interesse am Leben des Freundes habe, ohne mich etwa dazu zwingen zu müssen. Denn das wäre nun wirklich sehr merkwürdig.

Zuneigung.
Nicht besitzergreifend (glaub ich wenigstens) - aber mit – für mich – einer Tiefe, die ich sonst nirgendwo finde. Vermutlich vertraue ich niemandem so sehr, wie jenen, die ich als meine Freunde empfinde Und ja, das macht mich verletzbar. Sehr.

Und Geduld.
Und in den letzten Tagen habe ich den Verdacht, dass ich davon zu viel habe. Ich halte zu lange, zu viel aus. Man kann mich warten lassen. Ich habe ja immer ein Buch dabei. Man kann mir Dinge versprechen und nicht einhalten. Ich beschwere mich nicht. Schließlich gibt es für alles Gründe.

Verständnis.
Es gibt immer für alles Gründe. Das meine ich nicht ironisch. Noch sarkastisch. Gar nicht. Es gibt immer für alles Gründe. Gute Gründe.

Aber muss ich wirklich immer alle Gründe, selbst wenn ich sie verstehe, auch gut finden?

Ab und zu hätte ich eventuell auch Gründe, die ich ganz gut finde, gute Gründe, mich von alten Freunden im Stich gelassen zu fühlen?

Es gab Zeiten – lange Zeiten – in denen genau diese alten Freunde die waren, die meine Vorstellung von Freundschaft geprägt, vielleicht sogar geschaffen haben. Das vergesse ich nicht.

Vielleicht ändern sich die Zeiten?
Die Definitionen?
Meine ändern sich nicht – jedenfalls nicht einfach so. Ich bin nicht so weit, meine Vorstellung von Freundschaft an die Gegebenheiten anzupassen.

I will always be there for you – but I'll stop running after you. Whoever you are, or think you are.

Because there are new people – people who seem to care. And I, I definitely care. For them.
But still for you - very much.

3 Kommentare:

  1. Wow. Großes Thema.
    Früher habe ich, rein vorsichtshalber, immer versucht, möglichst wenig von meinen Freunden zu erwarten. So wird man garantiert nicht enttäuscht. Ganz schön feige.
    Heute weiß ich, gerade weil ich sie im selbstgewählten Exil so lange vermisst habe, dass ich von meinen Freunden ganz schön viel erwarte:

    Dass sie mit mir auf einer Wellenlänge funken. Dabei ist mir die Frequenz (sorry für den Kalauer, ich meine die Häufigkeit) relativ egal, aber ich möchte das Gefühl haben, zu kommunizieren, nicht nur zu labern.

    Dass sie nicht wie ich früher zu wenig von mir erwarten. Ich will nicht nur mit euch ins Kino gehen, ich will, dass ihr mir euer Herz ausschüttet, wenn eure Schwester gerade einen Selbstmordversuch unternommen hat.

    Dass sie 'hungrig' sind. Ich weiß nicht, wie ich diesen Zustand richtig beschreiben soll. Aber bei den meisten meiner Freunde meine ich, eine gewisse Sehnsucht zu spüren - nach Wissen, nach intensiven Erfahrungen, nach Grenzgängen, nach Erkenntnis, nach mehr Gefühl. Schwer zu definieren, aber eine Qualität, die ich unheimlich schätze. Auch weil ich sie mir für mich selber so dringend (zurück) wünsche.

    Wenn das gegeben ist, gibt es auf der Tonleiter von Verständnis, Interesse und Zuneigung so viele Spielarten, dass jeder mitspielen kann, egal, wo, wann und wie oft.
    Egal wo? Nicht ganz. Wenn man mal ein solches Orchester gefunden hat wie ich, wäre es ganz schön blöd, sich nur zu Weihnachten zum Konzert zu treffen. Meaning: I'm not leaving again.

    LG
    Tanja

    AntwortenLöschen
  2. Ha, da tret ich in Tanjas Fußstapfen.

    Ich halte meine Erwartungen an Freunde auch klein, weil ich selbst so unfähig bin zu geben, was man doch von einem Freund erwarten könnte. Und wie soll ich von jemand was verlangen, was ich selbst nicht gebe.

    Darum sind es bei mir wohl nur Kleinigkeiten.

    Loyalität gehört sicher zweifeslohne dazu...das wissen,dass jemand nicht hinter meinem Rücken respektlos über mich redet. Damit mein ich nicht, dass sich mal wer beschwert wenn ich lästig bin oder so, sondern...na ja..das was zB bei mir in der Arbeit gang und gebe ist..kaum ist jemand aus dem Raum wird drüber hergezogen.

    Offenheit....ja man darf sagen, was stört und ich darf sagen was stört. Mit meinen Freunden über meine als auch deren 'Unarten' reden dürfen, ohne beleidigt zu sein. Schwierig, aber wünschenswert finde ich.

    Nachsicht...was du beschreibst Nina...dass du vergebens wartest oder hinten angestellt wirst und immer wegen guten Gründen. Du hast absolut Recht, dir das nicht immer einfach bieten zu lassen. Du hast auch Rechte und Gefühl und wenn es dich beginnt zu stechen,dann ist reden ganz sicher das richtige.
    Ich brauch von meinen Freunden viel Nachsicht, weil ich oft 'nein' sage oder gänzlich von der Bildfläche verschwinde. Ich halte mich nur bedingt für eine gute Partie, was Freundschaft betrifft weil mir so viele Dinge Gleichgültig sind.

    Eine sehr gute Freundin von mir ist weg gezogen, zwei Tage bevor sie los ist haben wir uns noch getroffen und unterhalten und dann fährt sie und wir sagen. ' bis zum nächsten mal' obwohl wir keine ahnung haben wann das ist...weil sie jetzt ja weiter weg wohnt. Und dann geh ich in meine Wohnung und tu was ich immer tu...ohne schweres Herz oder sonst etwas. Das einzige was mich trifft, ist..dass es mich nicht trifft.

    Meine längste Freundin hat mal gesagt. „Weißt du Andrea, wenn mir etwas passiert dann weiß ich genau du setzt Himmel und Hölle in Bewegung und ich kann mich immer bei dir melden und du wirst helfen...aber wenn es mir gut geht, bist du echt ne bescheidene Freundin.“

    Darum muss ich zum Thema Nachsicht sagen..
    Sei nachsichtig, aber lasse es deine Freunde wissen, wenn sie dich mit ihrem Verhalten verletzten. Nachhaltig. Du hast den Respekt ganz sicher verdient.

    Eigentlich gibt es nur wenige Menschen, denen ich mich nah fühle und die wissen es vermutlich gar nicht mal so*G* weil ich Geburtstage vergesse, nicht anrufe, nicht reagiere und all die Dinge eben nicht tu, die Freunde so tun sollten...irgendwie.

    Vielleicht muss man Freundschaft...vielleicht muss ich..Freundschaft haben auch erst noch lernen, aber das was ihr beide geschrieben habt klingt für mich sehr vernünftig :-)

    lg

    eine ente

    AntwortenLöschen
  3. ich denke, wenn ich meine ideale der freundschaft verraten wollte, dann müsste ich mich so grundlegend verändern, dass ich nicht wiederzuerkennen wäre - nicht mal für mich selbst, und das möchte ich auf keinen fall. veränderungen finde ich gut, aber solch grundlegende? nicht.
    nachsicht besiegt verletzung bei mir - wohl fast immer. und trotzdem schwingt manchmal ein schmerz mit, der sich in der letzten zeit ab und an einschleicht, und der flüstert: people always leave. - only i stay, behind...
    but friendship ist more important to me than anything. so - i'm quite ready to live with it - most of the time. :-)

    AntwortenLöschen